dokumentarische Musik

BitteDanke-bettelnklingt
Pilotprojekt für dokumentarische Musik

ProtagonistInnen: BettlerInnen in Wien
Musik und Umsetzung: wemakemusic*

 

 

Wir begeben uns nun in den öffentlichen Raum Wiens, um Stimmen, Geräusche, Rhythmen, Klänge von und um bettelnde Menschen aufzunehmen, diese dann in unserem Heimstudio zu arrangieren und mit von uns komponierten Melodien zu einem Ganzen zusammenzufügen. Wir musizieren mit elektronischen und analogen Sounds und Instrumenten. In einem empathischen Prozess mit den aufgenommenen Lebensmomentaufnahmen entsteht ein Lied, das gehört, zu dem getanzt, welches ganz individuell erlebt werden darf. Ein Raum für die je eigenen Bilder und Erfahrungen wird geschaffen. Wissenschaft, Kunst und Dokumentation werden vereint, damit Auseinandersetzung mit sozialpolitisch relevanten Themen auf einer neuen Ebene stattfinden kann.
Ganz nach dem Motto:

„Understanding is not simply verbal comprehension – it is feeling it in your bones.”

– Alan Watts

Singer/Songwritertum trifft Dokumentation. Gitarre und Klavier treffen elektronische Sounds und Stimmen und Geräusche aus dem Alltag. Komponiert und produziert wird im Wohn-Arbeits-Spielzimmer. Aus der Notwendigkeit als Eltern kleiner Kinder leise zu sein, wird die Tugend der nächtlichen Arbeit mit Kopfhörern und leisen Sounds. Aus dem Wunsch Friedensarbeit mit Musik zu verbinden entsteht die Idee dokumentarischer Musik als Möglichkeit der Auseinandersetzung mit sozialen Themen über auditive Sensoren. Ein individueller empathischer Prozess, d.h. ein Zuhören ohne Bewertung anstatt ein „Über-Sie-Reden“ wird ermöglicht. Ein Raum für eigene Bilder und Erfahren möge durch die Musik geschaffen werden. wemakemusic* arbeiten nach dem „Learning by Doing“-Prinzip und vertrauen in eine Kraft von Musik in der Transformation gesellschaftlicher Zusammenhänge und Konflikte, indem Musik als kreativer Akt und aus vernakulärem Tun entsteht (Lederach/Lederach 2010: 151/152).

Ohne es zu merken oder zu wollen, sprechen Menschen meist in Akkordfolgen. Jeder Mensch hat gewissermaßen seinen eigenen Grundton, auf dem seine kommunikative Lebensmelodie aufbaut (Gail 1998: 25, zit. nach Dietrich 2011: 213). wemakemusic* begeben sich in die kommunikativen Lebensmelodien von Menschen und spannen ein Netz von möglichen Interpretationen im musikalischen Sinn. Im Projekt „BitteDanke–bettelnklingt“ sind dies Menschen, die uns im öffentlichen Raum begegnen. Bettlerinnen und Bettler. In ihrer Unterschiedlichkeit sind es Menschen, die durch ihre Präsenz kontroverse Assoziationen und Gefühle hervorrufen. Die öffentlichen Debatten und damit auch die Bilder in unseren Köpfen, sind von Stereotypisierungen geprägt. „Das Stereotyp der ausländischen Bettelnden kennt zwei Ausprägungen: jenes der kriminellen, gerissenen Bettlerbanden und Hintermänner – ausschließlich männliche konnotiert – und jenes der ausgebeuteten Opfer: Kinder, Frauen und behinderte BettlerInnen. Die Stereotype werden durch sprachliche Bilder wie „Bettelmafia“ und „ausgebeutete Kinder“ repräsentiert“ (Thuswald 2012: 123).
Im Juni 2010 wurde das Wiener Landes-Sicherheitsgesetz LGB1. 1993/51 (WLSG) einer Novellierung unterzogen. Neben der Schaffung zusätzlicher Gründe, um Personen von öffentlichen Orten wegweisen zu können, wurde vor allem das Bettelverbot verschärft (Weichselbaum 2012: 33). „Gewerbsmäßiges“ Betteln ist seit dem ebenso verboten, sowie „Aggressives“ und „Organisiertes“. So begegnen wir bei unseren Aufnahmen meist „stillen“ BettlerInnen, die auf ihre Lebenslage durch ihr Aussehen, ihre Gestik oder Schilder aufmerksam machen. Hier gilt es vor allem die Geräusche einzufangen, die eine Begegnung mit der Stille erzeugen. Doch erleben wir auch verbale Aufforderungen, mantren-gleich, bis hin zu Gesängen und Strassenmusik.
Diese Arbeit ist eine Hommage an die Musik, eine Liebeserklärung an unsere Vision der Friedensarbeit im Sinne vom Feiern der Fülle und ein Selbstermächtigungswerk mit dem Wunsch mich auf meine Vision einzulassen und ihr zu folgen.

 

Jeder Traum zählt – für eine gemeinsame Vision
Pilotprojekt für dokumentarische Musik

ProtagonistInnen: Menschen in Wien
Film: Christina Steinle (Augustin TV)
Musik: Cori Liebhart-Benedikt (wemakemusic*)

 

 

Träume sprechen etwas Dynamisches an, weisen eine Richtung, tragen und stützen den Entschluss, sich zu behaupten. Und das nicht irgendwann. Sondern jetzt. Jetzt, wenn man sich nicht gefallen lässt, dass das, was ist, schon alles ist.

Die „Traumkampagne 1.0“ für die 10. Armutskonferenz am 24./25. Februar 2015 durchzuführen, basiert auf der Idee, Menschen wieder mit ihren Träumen in Verbindung zu bringen. Der Prozess des Erfragens und audiovisuellen Festhaltens der Träume möge dazu beizutragen dem Gefühl der Aussichtslosigkeit zu trotzen und die jeweils eigenen Wege zu beschreiten. Träume sprechen etwas Dynamisches an, weisen eine Richtung, tragen und stützen den Entschluss, sich zu behaupten. Und das nicht irgendwann. Sondern jetzt. Jetzt, wenn man sich nicht gefallen lässt, dass das, was ist, schon alles ist.

Erfragt und gefilmt wurden rund 20 Träume von 20 unterschiedlichen Menschen.
Herzlichen Dank an alle Interviewpartner_innen für ihren Mut ihre Träume und Visionen zu teilen!

„So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.”

– Robert Musil